Nicky Fees kleiner Blog

Blackout

Gut. Ein paar Worte zu gestern. Als ich noch zuhause war, hab ich gelesen, dass man nach Möglichkeit nicht nach 14 Uhr rausgehen soll. Praktisch, dass ich 15 Uhr auf Arbeit sein musste - aber gut, wird schon nicht so heftig werden (nahm ich an). Bis auf ein paar kräftige Böen war auch nichts los, bis ich losgefahren bin. Auf Höhe ALDI-Parkplatz in Borna-Ost hab ich dann ne Bäckertüte am rechten Außenspiegel hängen gehabt. Wer braucht schon den rechten Außenspiegel? Abgesehen davon, dass mich das Rumgeflatter tierisch gestört hat, gings schon. (Und es sah verdammt putzig aus. Da war ein Croissant drauf.) An meinem Zielort angekommen, wurde es schon windiger. Ich sah schon von Weitem, dass es die leeren Bio-Container und das Ölfass umgeworfen hatte. In der Gaststätte war mein Chef bereits dabei, den Boden zu wischen für die ca. 30 Gäste, die bestellt waren oder Donnerstag immer kamen. Es war 14:57 Uhr, als ich mich einstempelte und umziehen ging. Fünf Minuten später stand ich in meiner Küche – bereit, dem Arbeitstag zu trotzen und so. Kennste bestimmt.

Gleich als erstes ließ ich meinem Chef einen Kaffee aus dem Vollautomat – meine Angewohnheit (zum Glück). Dann sah ich mir den Zettel an, auf dem notiert stand, was ich dringend kochen/fertigmachen musste, weil es alle geworden ist. Zigeunermasse und Weißkrautsalat. Das Deckenlicht flackerte. Ich schrieb meiner Mom eine SMS, dass ich hier Disko habe. Das Deckenlicht ging aus und wieder an. 15:11 Uhr. Meine Mom antwortete, dass sie gerade kurz Stromausfall hatte. Während ich die SMS lese, geht das Deckenlicht wieder aus … und nicht wieder an. Ich schrieb „Jetzt ist alles tot.“, die Nachricht konnte allerdings nicht gesendet werden (Ich bin treuer E-Plus-Kunde, aber das Problem hatte ich schon öfter bei Gewitter - während mein Chef noch Netz hatte).

„Haben wir es jetzt geschafft?!“, hörte ich meinen Chef rufen. „Hoffentlich ist der Strom gleich wieder da.“

15:13 Uhr. Ich überlegte kurz und entschloss mich dann, das Weißkraut später zu machen, wenn ich wieder Strom für die Küchenmaschine hätte. Also räumte ich erstmal das Auto aus, weil Donnerstag (oder Freitag, kommt drauf an) Einkaufstag war. Der Wind war so stark, dass ich fürchtete, jeden Moment von herumfliegenden Teilen getroffen zu werden – aber es flog erstaunlicherweise nichts vorbei. Vorsichtshalber hatte ich den Schlüssel für die Hintertür mitgenommen, den ich auch mehrfach nutzen musste. Das Auto war ausgeräumt, der Strom fehlte immer noch. Ich sah, dass auch die Aldi-Filiale nebenan dunkel war und stellte mir vor, wie es wäre, jetzt dort eingeschlossen zu sein. Aber ich vermutete, dass man die Türen auch manuell öffnen konnte. Ich legte die Einkäufe an ihren Platz in den Regalen. Mein Chef saß am Stammtisch und faltete Servietten.

Seufzend machte ich mich an die Zigeunermasse – mein Gasherd funktionierte ja. Auf der Seite des Hauses, wo ich mich befand, stand die Sonne nur Vormittags, dementsprechend dunkel wurde es mit der Zeit. Ich sah nicht mehr, ob das Fleisch richtig angebraten war, was nicht besonders schlimm war, handelte es sich doch um Jagdwurst. Ob die Zigeunersoße die richtige Konsistenz hatte, musste ich mit der Taschenlampe überprüfen. Zwischendurch schoss mir immer mal der Gedanke durch den Kopf, dass die Gefriertruhen zum Platzen voll waren und wie schlimm es wäre, wenn der Strom nicht zurückkam. Resigniert holte ich den Weißkrautkopf auf den Tisch. Kein Strom, keine Küchenmaschine. Seit meiner Ausbildung vor 5 Jahren hatte ich kein Weißkraut mehr mit der Hand schneiden müssen. Es war recht aufwändig, erinnerte mich aber daran, wie viel Spaß ich damals daran hatte.

16:15 Uhr. Das Weißkraut war fertig, aber es war auch mit 17 Teelichtern zu dunkel in der Küche. Ich sah allerdings, dass es vorn am Stammtisch, wo die Sonne nachmittags vorbeizog, noch hell war. Da ich nichts weiter zur Vorbereitung kochen musste, schnappte ich mir meinen Kartoffeltopf, setzte mich ins Licht, und schälte und schnitt meine Bratkartoffeln vor. Dabei war ich die meiste Zeit allein, weil mein Chef andere Reparaturarbeiten machte, solange die Sonne noch da war. Als das Licht auch in diesem Teil der Gaststätte zur Neige ging, überlegte er, wie er uns anders Helligkeit zaubern konnte.

Ich genoss die Stille, während ich meine Zwiebeln am Stammtisch schälte. Normalerweise füllte sich die Lokalität um diese Zeit langsam mit Gästen. Der Fernseher war dann eingeschaltet und ich kochte in meiner Küche während das Radio lief. Der Lüfter, die Kühlschränke und der große Gefrierschrank brummten vor sich hin. Dagegen war das einzige, was ich in dem Moment vernehmen konnte, das Ticken der beiden Uhren im Gastraum.

17 Uhr. In einer Stunde sollten 12 und 8 Gäste eintreffen. Mein Chef sagte mir, dass wir nicht öffnen könnten, solange der Strom nicht wieder da war, weil es zu wenig Licht und keine Heizung gab und auch die Schankanlage nicht funktionierte. Wir entzündeten die Petroleum-Lampen, die auf den anderen Tischen standen (Übrigens meine Idee). Während ich immer ruhiger wurde und den Stromausfall genießen konnte, tigerte mein Chef die ganze Zeit durch die Räume und suchte sich Aufgaben. Für ihn gibt es nichts schlimmeres als warten. Zum Beginn des Tages hatte er mir einen neuen Werbekuli mit einer kleinen Lampe daran geschenkt. Diesen benutzte ich, um in die Küche zu gehen und mir Gemüse für meine Tellerdekoration zu holen. Ich wollte vorbereitet sein, wenn der Strom wieder kam und ich kochen musste. Im Kerzen- und Petroleumlampenschein schnippelte ich Gurke und Möhren. Normalerweise schnitt ich noch Tomaten daran, aber ich ließ sie weg, für den Fall, dass ich die Dekoration heute doch nicht mehr brauchen sollte. Ungewürzt hielten sich meine Würfel auch bis Freitag – Tomaten würden über Nacht matschig werden.

Je dunkler es wurde, umso deutlicher konnten wir sehen, dass ganz Borna ohne Strom war. Ich erinnerte mich an das Buch von Marc Elsberg „Blackout“, das ich vor ein paar Monaten gelesen habe, zu einem ähnlichen Szenario. Nur, dass dort über Tage hinweg gar nichts funktionierte. Der Gedanke daran half nicht gerade, mich zu beruhigen. Auch die Worte meines Chefs: „Also so lange wars aber noch nie. Das muss was Großes sein.“ trugen nicht zu besserer Stimmung bei. Hinter der Garage steht ein kleines Windrad, das nie genutzt wurde, weil es nicht hoch genug stand. Es drehte sich nur bei Wetter wie heute. Wir verlegten ein Kabel von dort nach drinnen, um eine Lampe anzumachen, die mein Chef aus der Garage geholt hatte. Nach ein paar Minuten des Herumprobierens hatten wir mehr Licht am Stammtisch. Mittlerweile war es nach 18 Uhr – kein Gast da. Wir hätten auch niemanden reingelassen, wie gesagt. Ich strich uns, mithilfe einer der Petroleum-Lampen, ein paar Fettbemmen. Während ich in der Küche stand und schmierte, ging allerdings das Öl zur Neige und ich musste mich mehr vortasten als dass ich etwas sah. Als ich zurück zum Tisch ging, war mein Chef schon wieder verschwunden. Ich aß allein, sah mir die Lokalität in diesem gedämpften Licht an. Er kam zurück und verkündete, dass er den Fernseher mit an die Kabelrolle anschließen wollte. Und den Reciever von Sky. Ich solle doch die Verteilersteckdose aus der Küche holen. Gesagt, getan. Keine gute Idee, dachte ich mir noch. Ich ging mit meiner Stiftlampe in die Küche und entfernte die Stecker, die noch in der Dose waren, als ich ihn rufen hörte. Der Strom vom Windrad war alle – kein Wunder, wenn das Ding nie genutzt wurde und nach zwei (oder drei?) Jahren plötzlich arbeiten sollte. Zurück zu den Petroleum-Lampen, wir hatten ja noch mehr davon. Es gab nichts mehr, was ich noch am Stammtisch vorbereiten konnte, also saß ich nur da, eingekuschelt in zwei Strickjacken.

Chef ging wieder nach draußen, um die Batterie des Windrads neu zu starten (oder irgendsowas, ich habs mir nicht gemerkt), damit wir später nochmal Licht anmachen konnten. Wir aßen Kekse. Ein Stammgast rief Chef auf dem Handy an, als er gerade nicht im Raum war – deswegen ging ich ran, als ich den Namen auf dem Display erkannte. Er fragte, ob er ein Bier im Kerzenschein trinken kommen könne. Da die Schankanlage aber nicht funktionierte, fiel diese Option aus. Ich hatte mich fast zu Tode erschrocken, als das Handy losgeklingelt hat, weil ich dachte, dass seins auch nicht geht. Brachte mich aber auch nicht weiter, weil meine Mutter ebenfalls E-Plus-Kunde ist und somit wahrscheinlich keine SMS und Anrufe empfangen konnte.

Bis halb acht wollten wir warten, ansonsten könne ich heimfahren, sagte mein Chef. Er brachte die helle Lampe mithilfe des Windrades nochmal zum leuchten – bis er erneut den Fernseher anschließen wollte. Wieder alles dunkel. Ich sagte ja bereits, dass das keine gute Idee war. Kurz nach sieben schickte er mich zum Umziehen. Ich schnappte mir meine Kuli-Lampe (und noch eine zweite, falls die erste ausfiel) und ging in meine Dunkelkammer. Es ist übrigens nicht angebracht, an so einem Tag ausschließlich schwarz zu tragen. Es fiel mir schwer, Hose, Bluse und Pullover auseinander zu halten, genauso Schal und die fingerlosen Handschuhe. Als ich zurück zum Stammtisch kam, lief die Lampe erneut. Ich wollte mich verabschieden, da ging der Strom wieder an. „Ist jetzt nicht dein ernst“, sagte ich, „ich hab mich grad umgezogen, Mann!“ Trotzdem durfte ich gehen, es war schon ca. 19:15 Uhr und er rechnete nicht damit, dass noch Gäste kommen würden. „Und wenn doch, haben sie eben Pech. Das müssen sie schon verstehen.“, sagte er. Also fuhr ich langsam nach Hause. Ich sah, dass das Licht nur sporadisch leuchtete. Auf dem Weg die Sachsenallee hoch war alles dunkel, auch die Leipziger Sraße war ohne Strom. Erst, als ich in meinem Neubau-Wohngebiet ankam, waren wieder Straßenlaternen eingeschaltet. Ich fuhr kurz bei meiner Mom vorbei und erzählte ihr von meinem „Arbeitstag“. Dann begab ich mich in meine Wohnung. Kaltes Wasser gab es ab 21 Uhr wieder. Bis jetzt habe ich kein warmes Wasser und keine Heizung. Aber das wird schon. Es hätte schlimmer kommen können, stimmts?

1 Kommentar 19.1.18 10:08, kommentieren

Attraction

Es ist 7:50 Uhr und die Sonne geht gerade auf. Normalerweise sehe ich das nicht, weil mein Wecker erst 8 Uhr oder 8 Uhr 30 klingelt, aber heute sind Silvestervorbereitungen und ich möchte so schnell wie möglich damit fertig werden, weil meine Tante und meine Cousine später zu uns kommen. An den beiden Weihnachtsfeiertagen habe ich der Sonne auch schon dabei zugeschaut, wie sie das Feld vor meinem Küchenfenster langsam mit ihren Strahlen beglückt. Sonnenaufgänge sind so viel schöner als Sonnenuntergänge.

 

Vor ein paar Wochen bin ich zufällig bei Youtube auf den Trailer zum russischen Alien-Film Attraction gestoßen. Dieses wunderschöne brennende Raumschiff hat mich sofort angezogen, also habe ich mir die DVD gekauft und den Film mittlerweile dreimal gesehen. Es ist kein typischer Action-Alienfilm sondern eher nachdenklich, romantisch und sozialkritisch - eine Kombination, die mir sehr zusagt. 

 

 Ich kann zwar nicht nachvollziehen, warum bei dem Filmplakat, das gleichzeitig auch das DVD-Cover ist, dieses Mädchen auf dem Dach steht ... Aber ich kanns nicht ändern. Hier sollte eher die beste Freundin der Hauptdarstellerin zu sehen sein.

 

Auf jeden Fall hat mir auch der Soundtrack von "Attraction" wahnsinnig zugesagt, was echt spannend ist, weil ich ansonsten keinen Hip Hop höre. Ich habe mir - man mag es kaum glauben, die gesamte Diskografie von L'One gekauft und die läuft seitdem in meinem Auto rauf und runter. Gefällt es mir, weil er russisch rappt? Ich hab keine Ahnung. Könnte aber hinhauen. Ich hab schon oft den Stumpfsinn in deutschem und englichem Hip Hop bemängelt. Ich kann nicht bemängeln, was ich nicht verstehe, stimmts?

 

Tja, heute gibts noch ein bisschen Familie, morgen ist Silvesterstress. Meistens verfluche ich die Leute, die mir einen guten Rutsch wünschen, auch wenn es wohl automatisch passiert. Aber "gut" wäre der Rutsch nur dann, wenn ich frei hätte, was in den letzten 8 Jahren nicht der Fall war.

Ich wünsche euch trotzdem einen guten Rutsch, wie jedes Jahr. Wie lesen uns, da bin ich mir sicher.

 

Bis dann!

Eure Nicky

 

30.12.17 07:53, kommentieren